aufgeschnappt & notiert

2019 Januar

FOCUS-Leser diskutieren über "Hat der Glaube eine Zukunft?" (Focus 2019/2)

Es geht nur um Gott Glaube? Sprechen wir von Glaube, Religion oder Kirchen? Ich als Christ spreche von Gott. Dazwischen ist ein himmelweiter Unterschied. Die Welt ist voller Mitläufer – wie schon immer.
>> Jochen Vogel, per Mail

Kirchen verschwinden. Der christliche Glaube hat sehr wohl eine Zukunft. Diesen Kirchen, die diesen Glauben für sich beanspruchen, wird es aber ebenso ergehen wie den C-Parteien, die sich das Attribut des Christentums heuchlerisch an ihre Fahnen geheftet haben. Sie werden verschwinden. Man wird sich wieder auf wahre, wichtige christliche Werte besinnen. Und diese erkennt man weder bei diesen Kirchen noch bei den C-Parteien.
>> Herbert Bretzlinger. per Mail

Schlechtes Beispiel. Natürlich glauben die meisten Menschen. Teilweise an Fake News, teilweise an Verschwörungstheorien oder an Esoterik oder den Islam. Aber für Christen sehe ich schwarz. Ist auch kein Wunder, so wie sich die Kirchenführer an den Islam anbiedern oder Typen wie Tebartz-van Elst sich bereichern, nicht zu schweigen von dem ganzen vertuschten Kindesmissbrauch. Wozu brauchen wir eine solche Kirche?
>> Sabine Foerster, per Mail

Zu viel Heuchelei. Natürlich hat der Glaube Zukunft. Ich finde es allerdings mehr als schäbig, dass Leute, die teilweise die Kirche, auch den Glauben vehement verteufeln und ablehnen, gerade zu Weihnachten die Kirchen füllen. Verlogener geht’s kaum. Wahrscheinlich nur, um die Zeit bis zur Bescherung mit einem schönen Märchen zu füllen. Ich habe ein richtig gutes Verhältnis zu Gott, muss dazu aber weder konfessionell gebunden sein noch in die Kirche rennen.
>> Ines Hannusch, per Mail

„Man kann mit Religion schon viel Unsinn machen“

Glaube, der sich nicht der Vernunft stelle, sei Fundamentalismus. Vernunft aber, die nur auf die Empirie setze sei ebenfalls zu begrenzt. „Die Bibel ist Aufklärung", führt er mit Verweis auf den Abschied vom Vielgötterglauben fort, und: „Jesus war ein Aufklärer."

>> Reinhard Kardinal Marx (Debatte mit Michel Friedman) 11.01.2019

JuMiKo Thema „Keine Kompromisse. Radikal L(i)eben!“

Kompromisslos wird das Leben von Christen, wenn sie lernen, Gott und Mitmenschen radikal zu lieben. Um zu lieben, muss man nicht in allem übereinstimmen. Liebe hat mit Annehmen und Respektieren zu tun. Liebe heißt nicht, gleichgeschaltet zu sein.“ Das gilt für Ehepartner ebenso wie unter Christen.

>> Andreas Boppart, Leiter des Missionswerks Campus für Christus Schweiz (Zürich). In Idea, 6.1.2019

Generation "E"

Wir Menschen haben psychologische Bedürfnisse. Wir wollen Freiheit, Wertschätzung, Sinnhaftigkeit und eine Bestimmung.

 

Die kommende Generation wird immer auf der Suche sein nach etwas, das diese Bedürfnisse befriedigt. Weil alle anderen Grundbedürfnisse in der westlichen Welt mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen gedeckt sein werden. Eintönige Jobs, denen man bisher nur nachgegangen ist, um Geld zu verdienen, werden ohnehin von Robotern und Künstlichen Intelligenzen erledigt werden.

>> Valentina Resetarits: Es gibt einen Namen für die Generation, die nach der Generation Z kommt (businessinsider.de, 23.02.2018)

2019 Februar

Christen sollten Patrioten sein, die ihr Vaterland liebten.

Sie dürften aber keine Nationalisten sein, die andere Länder herabsetzten.

>> (General a. D. Hans-Peter von Kirchbach (Potsdam): Ehrenpräsident der Johanniter-Unfall-Hilfe und frühere Generalinspekteur der Bundeswehr. In: idea/03.02.2019)

Venezuela: Bizarre Sekte als Quelle des Unheils

Venezuela ist kein Entwicklungsland, sondern eine Kulturnation, eine internationale Hochburg klassischer Musik. Es ist voller Bodenschätze. Es war voller Lebenslust. Es ist Heimat eines gebildeten Volkes, von dem nicht einmal 5 Prozent Analphabeten sind. Die Esoterik war nicht der einzige Grund für den erschütternden Absturz ins Elend. Aber sie war seine Wegbereiterin. Im Dritten Reich war Esoterik die Ersatzreligion vieler Nationalsozialisten, was für das geistliche Leben in Deutschland fatale Folgen hatte, wie die deutschkanadische Anthropologin Karla Poewe von der Universität von Calgary nachgewiesen hat. In der postmodernen Bundesrepublik erlebt diese Religion zurzeit einen unerhörten Aufschwung; Esoterikbücher erzielen bei uns einen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro.

 

In einem Interview mit einem Theologie-Professor an der katholischen Universität von Caracas sagte er reumütig: „Wir haben uns nicht hinreichend bemüht, unsere Menschen im Glauben zu unterweisen.“ Ich befürchte, dass dereinst womöglich der eine oder andere einsichtige Theologe in Deutschland das Gleiche sagen wird.

>> (Der Autor, Uwe Siemon-Netto, lebt in Kalifornien und ist Journalist, promovierter lutherischer Theologe und Religionssoziologe. In: Idea/07.02.2019)

Islam-Experte sieht „Generation Allah“ aufwachsen

Warum Integration bisweilen nicht geht, beschreibt Ahmad Mansour in aller Deutlichkeit am Beispiel eines Bekannten namens Nader. Wer Nader frage, was er sei, bekomme zur Antwort „Palästinenser und Moslem“, obgleich Nader schon seit Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit besitze.

 

Nader gebe sich als Patriarch. Er sagt seiner Frau und seinen Kindern, was sie zu tun haben. Er arbeitet schwarz und nimmt die Unterstützung der Behörden mit. Was er für seine Kinder wünsche? „Sie sollen die Ehre der Familie hochhalten. Sie sollen wissen, woher sie kommen, wissen, dass sie Palästinenser sind und sonst nichts – und auf mich hören.“ Soweit der Bürger Nader, der „mittendrin“ in einer Parallelgesellschaft lebe. Man liest diese Beschreibung eines Menschen und fragt sich: Warum sollte er sich ändern, nachdem er von Gaza nach Berlin gezogen ist? In seiner Welt ist er der Chef. Die Frau gehorcht, die Kinder respektieren ihn. Die Männer um ihn herum sind wie er. Sein Patriarchat ist unangefochten und zweifelsfrei. Er lebt, wie er in Gaza gelebt hat – nur sicherer. Warum sollte er sich integrieren?

 

So krass und klar schreibt der arabische Israeli Mansour (Ahmad Mansour: Klartext zur Integration. Gegen falsche Toleranz und Panikmache. S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2018) über Leute wie Nader, dass man versteht, warum sich gerade arabische Männer so schwertun mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft: Sie haben mehr zu verlieren als andere. Nicht bloß den Respekt, der ihnen so wichtig ist – ihre ganze Macht wäre dahin, würden sie die Gleichberechtigung der Geschlechter akzeptieren

>> (Werner van Bebber. In: Tagesspiegel vom 5.2.2019)

Nicht in meinem Namen!

Zur Grußbotschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die iranische Führung anlässlich des 40. Jahrestages der Islamischen Revolution

 

Ich schäme mich

Dieser Iran will Juden ins Meer treiben, den Staat Israel von der Landkarte tilgen. Frau Merkel hat in der Knesset gesagt, dass die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson gehört. Das gilt doch für alle, auch für den Bundespräsidenten! Zum ersten Mal schäme ich mich für den 1. Mann meines Staates. Der Evangelische Kirchentag sollte ihn deshalb ausladen! Und wenn er kommt, sollten wir ihm Plakate entgegenhalten: nicht in meinem Namen!

>> (Kommentar von Pfarrer Steffen Reiche (Berlin). In: Idea-Pressedienst vom 25. Februar 2019 Nr. 047)

Flüchtlingspolitik

„Wir können nicht – selbst wenn Jahrzehnte zwischen den beiden Ereignissen liegen – Millionen Juden töten und Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen.“

>> der kürzlich verstorbene Modedesigner Karl Lagerfeld

 

Der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes und CSU-Politiker Uwe Brandl (CSU), Bürgermeister im niederbayerischen Abensberg, sagt: „Ich sehe in meiner kleinen Stadt, dass es nur einen verschwindend geringen Prozentsatz echter Integrationswilliger gibt. Der Großteil der Zugewanderten hat an unseren Angeboten kein Interesse.“

 

Ralph Brinkhaus, CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Integrationspolitik gibt es nicht erst seit 2015. Sie ist ein langer Prozess, in dem immer wieder korrigiert wird. Das ist eine große Herausforderung, denn wir haben es dabei mit Menschen zu tun, die teilweise sehr anders sind.

 

idea: Kann ein Muslim im Jahr 2030 für die CDU Bundeskanzler werden?

Brinkhaus: Warum nicht, wenn er ein guter Politiker ist und er unsere Werte und politischen Ansichten vertritt.

idea: Das sieht die katholische CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann anders: „Eine Union der Vielfalt halte ich im Hinblick auf den Islam und seine vielfältigen Ausprägungen für eine Idee der Einfalt.“

>> (Idea-Pressedienst vom 27. Februar 2019)

2019 März

Pädophilie: Satanischer Angriff auf Christi Leib

Nur Toren ignorieren, wie explosiv die Weltlage ist. Sie schreit nach einer Instanz, die Gottes Wort und Liebe glaubwürdig verkündigt. Der schlaffe EKD-Protestantismus packt das nicht; zu sehr verzettelt er sich mit Papperlapapp. Bleibt also die katholische Kirche mit ihren 1,2 Milliarden Gliedern? Ach, sie ist offenbar dabei, wie ein Kartenhaus zu kollabieren, weil sie ihrer inneren Fäulnis nicht Herr wird: des tausendfachen Kindesmissbrauchs durch Geistliche in allen Erdteilen.

>> (Uwe Siemon-Netto, lebt in Kalifornien und ist Journalist, promovierter lutherischer Theologe und Religionssoziologe. In: idea / 1.3.2019)

Klimawandel

 

Die Heilige Schrift zeigt uns drei einschneidende Klimaveränderungen auf unserer Erde. Die ersten beiden liegen hinter uns (Sündenfall und Sintflut: als der Mensch gegen seinen Schöpfer rebellierte, kamen der Tod und die Vergänglichkeit in die gesamte Schöpfung. Alles veränderte sich. Trotzdem wurden die Menschen danach noch zehnmal älter als wir heute.), der dritte große Wandel liegt noch vor uns (Wiederkunft Jesu: Tausendjähriges Reich - dies ist verbunden mit gewaltigen kosmischen und topografischen Umwälzungen).

>> (Die Bibel: Sach 14,4-5; Mt 24,29; Lk 21,25-27; Offb 6; 7; 8; 16)

 

Im Zusammenhang mit der Sintflut erwähnt die Schrift das erste Mal Regen und nach der Sintflut das erste Mal Sommer und Winter, Frost und Hitze. Vor der Sintflut müssen völlig andere klimatische Bedingungen auf Erden geherrscht haben. Wir leben nach der Sintflut und vor der Wiederkunft Jesu. Über allem steht für diese Zeit das Wort aus 1.Mose 8,22, welches uns eine innere Gelassenheit in den ganzen Schreckensszenarien der heutigen Zeit gibt. Das heisst nicht, dass es durch die Zeiten hindurch keine klimatischen Schwankungen und Veränderungen geben kann. Aber alles bleibt unter der Kontrolle Gottes und innerhalb der Grenzen von «Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht»

 

>> (Die Bibel: 1.Mo 8,22)

 

Als Nachfolger Jesu werden wir deshalb im Licht der Bibel anders mit der gefallenen Schöpfung und dem uns Anvertrauten umgehen. Das heisst, die Schöpfung ist uns zum verantwortungsvollen Gebrauch gegeben, und wir wissen auch um ihre Vergänglichkeit.

>> (Johannes Pflaum. In: Mitternachtsruf – März 2019)

„EIN SELFIE IST ELEKTRONISCHE MASTURBATION“

 

Karl Lagerfeld

Interkulturelles Training

Frühjahr 1987: Ich sitze in einem Tagungszentrum im schleswig-holsteinischen Nienwohld und werde von der Organisation Youth for Understanding auf mein bevorstehendes Austauschjahr in den USA vorbereitet. Wir spielen nämlich das Albatros-Spiel: ein weiß gekleideter Mann kommt herein, gefolgt von einer weiß gekleideten Frau. Sie hält deutlich Abstand zu ihm, während die beiden einmal den Stuhlkreis abgehen, in dem ich und die anderen zukünftigen Austauschschüler sitzen. Wer die Beine übereinandergeschlagen hat, wird aufgefordert, beide Füße auf den Boden zu stellen – die Männer von dem Mann, die Frauen von der Frau. Danach nimmt er auf einem Stuhl Platz, während sie sich zu seinen Füßen hockt. Sie reicht ihm eine Schale mit Essen, er kaut einige Bissen, erst dann isst auch sie. Bevor die beiden wieder gehen, drückt er ihren Oberkörper mit der Hand drei Mal auf den Boden. 

 

Zwei ehemalige Austauschschüler, die die Vorbereitungstagung leiten, wollen von uns wissen, was wir gesehen haben. Eine Kultur, in der die Frau weniger wert ist als der Mann, logisch. Sie darf ja erst Nahrung zu sich nehmen, nachdem er gegessen hat, und dann dominiert er sie auch noch körperlich. Mit dieser Interpretation liegen wir so ziemlich daneben. Die fiktive Albatros-Kultur ist nämlich ein Matriarchat, in der Frau und Erde heilig sind. Deshalb darf der Mann nicht auf dem Boden sitzen und nur essen, wenn die Frau ihm Nahrung anreicht. Seine einzige Möglichkeit, teilzuhaben an der heiligen Kraft der Erde, ist, seine Hand auf ihren Rücken zu legen, wenn sie mit der Stirn den Boden berührt.

 

Damals begriff ich zum ersten Mal: Wir werten. Ständig. Und greifen dabei in Blitzesschnelle auf einen Wertekanon zurück, den wir für selbstverständlich halten. Und das gilt nicht nur für die Begegnung mit einer anderen Kultur – das Albatros-Spiel wird inzwischen häufig bei interkulturellen Trainings gespielt – es gilt letztlich für jede Begegnung mit einem anderen. 

>> (Dagrun Hintze. Auf zeit.de Schüleraustausch, Artikel vom 14. März 2019)

Menschen werden von Gott unendlich geliebt

Sünde sei, was die Beziehung des Menschen zu sich selbst und zu Gott störe, so Dietz. Als „moderne“ Beispiele nannte der Theologe die Flucht in eine Sucht, übersteigertes Sicherheitsbedürfnis oder übertriebene Selbstlosigkeit. Die Ursache für solche Verhaltensweisen liege darin, dass „der Mensch nicht mit sich selbst zurechtkommt“. Die erlösende Botschaft von Jesus Christus sei, dass die Menschen von Gott unendlich geliebt würden, auch wenn die Sünde in ihrem Leben allgegenwärtig sei. Dietz: „Wir sind abgründiger als wir wissen, aber auch wertvoller, als wir glauben.“

>> (Theologieprofessor Thorsten Dietz (Marburg) am 22. März in einem Vortrag auf dem Kongress „Upgrade 2019 – weiter.echter.tiefer“ im nordhessischen Willingen)

Die wahre Lehre kann mit der Irrlehre keinen Kompromiss eingehen

Warum verfallen Menschen solch irrsinnigen Kompromissvorstellungen? Weil sie das Konzept eines Kompromisses nicht verstehen. Kompromisse werden zwischen Interessen geschlossen, nicht zwischen richtig und falsch. Nehmen wir ein Beispiel aus der Politik: Wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften über das Lohnniveau diskutieren, so haben beide Seiten berechtigte Forderungen, zwischen denen ein Mittelweg gefunden werden muss. Zwischen Wahrheit und Irrtum ist ein derartiger Mittelweg aber nicht möglich. Ebenso verhält es sich in der kirchlichen Lehre. Die wahre Lehre kann mit der Irrlehre keinen Kompromiss eingehen, sie würde dadurch (im wahrsten Sinne des Wortes) kompromittiert. Entweder stehen homosexuelle Bindungen unter Gottes Segen, oder sie tun es nicht.

>> (Sebastian Moll, Studienleiter an der THS-Akademie für pastorale Führungskräfte in Bingen am Rhein. In: Idea vom 22. März 2019)

Machen Beziehungsverträge die Liebe gerechter oder wird so selbst das Privatleben zur Ware? Tatsächlich können Paare davon profitieren – materiell, aber auch emotional.

 

Die typische Liebesbiografie besteht heute aus einer lockeren Aneinanderreihung zeitlich begrenzter Bindungen, die ohne Einvernehmen und ohne Konsequenzen jederzeit von einer der beteiligten Personen beendet werden können.

 

Aber auch in stabilen Beziehungen läuft es häufig so: Auf eine Phase magischer Verliebtheit folgt Ernüchterung. Irgendwann reicht es einfach nicht mehr aus, dem geliebten Wesen in die Augen zu schauen, um selig durch den Tag zu schweben. Spätestens dann muss geklärt werden, wer den Müll runterbringt, die Spülmaschine ausräumt oder den Hund Gassi führt. Weiterhin ob es fair ist, wenn jeder gleich viel für den Wocheneinkauf bezahlt, oder ob dieser anteilig nach Einkommen aufzuteilen sei und ob man dabei der Umwelt zuliebe nach dem Recyclingtoilettenpapier greift oder doch der hinternschmeichelnden Vierlagenvariante den Vorzug gibt.

 

Klingt unromantisch? Willkommen in der Realität. Laut einer Studie aus dem Jahr 2018 sind die Top-Streitthemen deutscher Paare die Aufgabenverteilung im Haushalt, die Regelung der Finanzen, die Kindererziehung, die Freizeitgestaltung und das Sexleben. Also praktisch alles, was den gemeinsamen Alltag ausmacht.

 

Schadensbegrenzung verspricht ein neuer Trend aus den USA: Anstatt eine traditionelle Ehe einzugehen, entscheiden junge Paare sich immer häufiger dafür, sogenannte love contracts aufzusetzen.

 

Anders als klassische Eheverträge, die häufig finanzielle und sorgerechtliche Regelungen für den Fall der Trennung festsetzen, enthalten solche Liebesverträge vor allem Punkte, die das Verhalten der Partner während der Beziehung regulieren.

 

Eine andere Sichtweise vertritt die Soziologin und Bestsellerautorin Eva Illouz: Liebesverträge würden die Qualität romantischer Beziehungen nicht verbessern. Im Gegenteil: Letztendlich seien solche Verträge nur ein weiterer Vorstoß des unternehmerischen Denkens und des Gebots der Selbstoptimierung im intimsten Winkel der Privatsphäre.

 

Das Übertragen von Denk- und Handlungsschemata aus Recht und Wirtschaft auf das Zwischenmenschliche ist laut Illouz ein Beleg dafür, dass Liebesbeziehungen zunehmend als "Bündel von Nutzwerten" begriffen werden. Ist ein Partner mit diesem nicht mehr zufrieden oder erblickt anderswo größeres Potenzial, ist die Beziehung futsch, und man kann sich alle mühsam ausdiskutierten Verhaltensvorschriften in die Haare schmieren. 

 

Ganz egal ob postmodern-ironisch, neoliberal oder streng zweckmäßig verfasst – am Ende sind Liebesverträge schon allein deshalb ein sinnvolles Projekt, weil sie etwas voraussetzen, das für das Gelingen jeder Beziehung essenziell ist: einfach mal miteinander reden.

>>(Diana Weis, Freie Autorin und Dozentin für Modetheorie und Körperkultur. In: Die Zeit)

2019 April

Segnungsgottesdienste – Homo-Segnung: „Zwei Kirchen“ in Württemberg

Die württembergische Landessynode hatte die Segnungsgottesdienste am 23. März 2019 mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit ermöglicht.

 

Der Vorsitzende des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Württemberg „Die Apis“, Steffen Kern (Walddorfhäslach bei Reutlingen), spricht von einem „Sieg kirchlicher Pragmatik über die innere Überzeugung vieler Synodaler und weithin auch über die theologische Stringenz. Es wird gegen den Schriftbefund ein öffentlicher Segnungsgottesdienst gleichgeschlechtlicher Paare eingeführt.“ Für die Apis sagte Kern, dass sie weiterhin keine Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare durchführten. Christen, die aus der Landeskirche austräten, böten sie eine „geistliche Heimat“ an.

 

Der Liebenzeller Gemeinschaftsverband drückte sein „Bedauern“ über die Entscheidung aus. Positiv bemerkte der Verband, dass „nicht wie in den allermeisten Landeskirchen der EKD die Möglichkeit einer gottesdienstlichen Segnung oder Trauung flächendeckend eingeführt“ wurde und dass „nicht der Ehe-Bund, sondern die Personen gesegnet“ würden. Das „Hauptdilemma“ des Beschlusses sei, dass „sich unterschiedliche Schriftverständnisse unvereinbar gegenüberstehen“. Auch der Liebenzeller Verband sprach von „zwei Kirchen unter einem Dach“. Die Frage des Austritts aus der Kirche müsse jedem Einzelnen überlassen bleiben. Der Vorstand vertrete die Meinung: „Wir möchten die Schwestern und Brüder nicht verlassen, die in dieser Kirche sind und bleiben und sich einsetzen für dieselben Ziele wie wir. Und davon gibt es viele.“ Dass der Beschluss mit Stimmen der „Lebendigen Gemeinde“ zustande kam, schmerze viele ihrer Unterstützer. Der Liebenzeller Gemeinschaftsverband führe selbst keine Segnungen homosexueller Partnerschaften durch. 

 

Der Süddeutsche Gemeinschaftsverband äußerte sich ähnlich. Man bedaure „sehr, dass nun unter einem Kirchendach sich zwei diametral widersprechende Positionen zu dieser Frage gleichberechtigt ihren Platz finden sollen. Es macht uns Sorge, dass selbst die Vertreter des pietistisch geprägten Gesprächskreises ‚Lebendige Gemeinde’ kein einheitliches Votum abgeben konnten.“ Der Süddeutsche Gemeinschaftsverband biete „auch den Menschen eine geistliche Heimat, die sich dem Beschluss nicht anschließen können und darin einen Verstoß gegen Bekenntnis und Wort Gottes sehen und die deshalb nun eine Kirchenmitgliedschaft nicht weiter verantworten können“. Zugleich wolle man „homosexuell empfindenden Menschen mit derselben Offenheit, Achtung und demselben Respekt begegnen, wie allen anderen Menschen auch“. 

 

Der Vorsitzende des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, Ulrich Parzany (Kassel), zeigte sich enttäuscht über das Abstimmungsverhalten der „Lebendigen Gemeinde“. Er habe gehofft, „dass es wenigstens eine große Landeskirche geben könnte, in der die bibeltreue Basis sich gegen falsche Lehre in der Kirche durchsetzen“ könnte. „Diese Hoffnung müssen wir nun leider endgültig aufgeben.“ Die Formulierung im Gesetz, im Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung nicht das jeweilige Paar, sondern die einzelnen Partner zu segnen, sieht der Theologe kritisch: „Mir kommt dieser kirchenjuristische Trick wie eine Verhöhnung der Vernunft mündiger Christenmenschen vor.“ Parzany rief dazu auf, sich zu bibeltreuen Gemeinden zu halten. 

 

In einer Erklärung im Namen der Pfarrerarbeitsgemeinschaft Confessio bezeichnete ihr Vorsitzender Tobias Eißler das Gesetz als „falsch“ und „vermessen“. Der „Bruch mit dem Bekenntnis durch die Einführung eines schriftwidrigen Schriftverständnisses und der Installation eines gottwidrigen Gottesdienstes durch die Zweidrittelmehrheit einer Synode“ sei „bekenntniswidrig, verfassungswidrig und damit nichtig“. Es gehe „nicht um die Frage, wie lange Pfarrern und Gemeinden anderer Ansicht noch Gewissensschutz eingeräumt wird, sondern wie die Gemeinde Jesu vor einer kirchenleitenden Synode geschützt wird, die irrt“. Die innere Einheit der Kirche sei mit dem Beschluss zerbrochen. „Wenn das, was von Gottes Wort her als falsche Lehre, Unordnung und Ärgernis zu beurteilen ist, zur Kirchenordnung gemacht wird, ist der innerkirchliche Friede nicht etwa bewahrt, sondern nachhaltig zerstört.“ Dass eine Segnung nicht dem jeweiligen Paar, sondern Einzelpersonen gelte, klinge „wie Spott auf die Wahrnehmung jedes mündigen Christenmenschen und jedes säkularen Bürgers mit gesundem Menschenverstand“.

>> (IDEA vom 2. April 2019)

Gedanken zur Passion

## Doch Gott wirft all unsere Sünde auf ihn, damit wir Frieden haben und gerechtfertigt sind vor ihm ##

 

Das sind elementare Gedanken zur Passion und zum göttlichen Rettungsdienst durch Leiden und Sterben Christi. Dies ist in der Passionszeit das Zentrum der Verkündigung, daran hängt alles.

 

Wie flach und dämlich mutet in diesem Licht die Fastenaktion „7 Wochen ohne“ an: Sie führt von der Passionsbotschaft weg und in eine unevangelische neue Werkgerechtigkeit, die mit dem christlichen Glauben so viel zu tun hat wie der Igel mit dem Staubwischen. Statt dieser theologischen Selbstbefriedigung ist der Dank für das gewaltige Werk Christi unsere Aufgabe als wartende Gemeinde. Denn dass Gott sich in seinem Sohn in dieser Kondeszendenz (Selbsterniedrigung) uns Menschen wieder zugewandt hat (Matthäus 17,2), kann nur dahin führen aus vollem Herzen zu schmettern: „Mein erst Gefühl sei Preis und Dank“ (Evangelisches Gesangbuch 451). Der hausbackene Selbsterlösungsversuch „7 Wochen ohne“ verdunkelt den Sinn von Gottes großartigem Rettungsplan. Die Bitte von uns Christen kann nur lauten: „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen“ (EG 91).

>> (Pfarrer Ulrich Kronenberg, von 2008 bis 2015 Leiter des Evangelischen Militärpfarramts Speyer. In: idea/07.04.2019)